Wie vernagelt.

Automobile sind für mich etwas unglaublich emotionales und ich hasse Gefährte die lediglich dazu dienen mich von A nach B zu bringen.
Bestes Beispiel: Meine Rohstoffverschwendung aus Wolfsburg.
Natürlich muss es solche Fahrzeuge auch geben, niemand würde mit einem großvolumigen Benziner täglich 200km pendeln, jährlich 40.000km über Deutsche Autobahnen reisen oder damit zum Bäcker fahren – naja, ok, letzteres soll es geben.

Womit wir aber früher oder später beim unsäglichen Thema „Diesel“ ankommen…

Schon die Arbeitsweise dieses Motors ist mir irgendwie suspekt: Ich rotze je nach Leistungswunsch eine lose definierte Menge Heizöl in einen Raum voller heißer Luft und flehe zu Gott dass es sich gleichmäßig entzündet und nicht rußt.
Sauber. Oder eben auch nicht.

Aber das ist es noch nicht mal, mit viel Aufwand, zig Katalysatoren plus Harnstofftank kriegt man auch dieses Maleur schön „blue“ (was heute wohl „sauber“ bedeutet).

Viel schlimmer ist der durchschnittliche Dieselfahrer an sich.
Fragt man ihn nach der Leistung seine Fahrzeugs bekommt man erstmal einen willkürliche Newtonmeter-Angabe um die Ohren gehauen.

Dass sein 1.9er TDI, den er primär gekauft hat um günstig morgens zu seinem Lehramtsseminar zu kommen, nur einschläfernde 110PS hat, verschweigt er gerne mal.
Denn „der geht ja von unten raus so gut“
und „Diesel haben ja soviel Drehmoment.

Für die Aussage alleine würde ihn jeder Polo SDI oder 200D Fahrer direkt auf der Straße steinigen.
Aber wie ein Turbolader funktioniert weiß er ja auch nicht.

Mich würde wirklich interessieren wo der Trend herkommt Drehmoment über alles andere zu setzen.
Wäre Drehmoment die einzige Komponente die etwas schnell macht, so würde der Mercedes Actros und einige Stahlwille Produkte die Supersportwagenliste anführen.

Das Gesamtpaket machts, auch ich liebe bulliges Drehmoment im Keller, aber nur wenn auch Leistung nachkommt.
Hohes Drehmoment im Keller bei sonst eher schwachbrüstigen Motoren ermöglicht es halt auch talentfreien Fahrern Mutti ein bischen zu beeindrucken, weil es im Rücken ein bischen drückt.
Oder es lässt sie ein bischen vergessen dass Mutti sie gezwungen hat diesen endvernünftigen VW Touran zu kaufen,
weil der soviel Platz hat und so, und jetzt können sie sich beim Anfahren an der Ampel zumindestens einbilden sie hätten ein schnittiges, schnelles Auto.

Es sind und bleiben trotz allem aus reiner Vernunft gekaufte Autos, die auch durch langes Schönreden nicht sportlicher werden.

Solche Diesel zu fahren war für mich immer wie tolles Vorspiel, gefolgt von beschissenem Sex.
Nach überwundenem Turboloch kommt ein kurzer Schub und schon kommt gar nichts mehr außer einem nervtötendem Geräusch.
Oder um in der Metapher zu bleiben, die Frau fängt nach dem Vorspiel an mit sächsischem Dialekt von der letzten Folge Gilmore Girls zu erzählen.
Du, sorry, das wars.

„MOMENT!“, wirft jetzt der echte Diesel-Fan ein, all die echten Heizöl-Ferraris verbrauchen wenig, haben im oberen Preissegment mit einem Dutzend Turboladern auch mittlerweile viel Leistung und sind den Zahlenwerten nach auch „schnell“.

Echt schön, auf dem Papier. Aber „sportlich“?
Für mich fehlt da immer noch eine sehr wichtige Komponente, die sogar Leistung und Drehmoment übertrumpft.

Die große Diesel E-Klasse eines Bekannten ist meinem Detroiter Klumpen Alteisen in so ziemlich jedem Aspekt überlegen,
bessere Verarbeitung, geringerer Verbrauch, modernere Technik und wahrscheinlich beschleunigt er sogar besser, von der (fahrbaren) Höchstgeschwindigkeit ganz zu schweigen. Trotzdem bleibt die Gänsehaut und das Kribbeln im Magen aus wenn die perfekt abgestimmte deutsche Automatik in den Kickdown geht.
Es ist ein bischen wie Aufzug fahren, da steigt auch keiner breit grinsend aus und brüllt „NOCHMAL!“.
Stillstand, brummelndes, wenig ansprechendes Geräusch, 100kmh.

Gähn.

Wer schon mal quer stehend mit einem 60PS VW Käfer (gefühlte 10Nm bei 5000rpm) durch eine Feldweg-Kurve gedonnert ist und dem Sound der offenen 40er Weber lauschen durfte, der weiß hoffentlich was ich meine. Oder das Rütteln, Schaukeln und Blubbern eines dicken V-Motors im Stand der dank scharfer Nocke mühsam den Leerlauf halten kann, gefolgt von einem heißeren Trompeten aus den Edelstahlrohren… manchmal denke ich es heißt nicht umsonst „der hat Benzin im Blut“.

Würde heute noch irgendjemand über die Filmszene aus Bullit sprechen wenn Steve McQueen mit einem A3 Sportsback TDI durch die Hügel von San Francisco geballert wäre? Oder Nicolas Cage dem Polizei Helicopter (vielleicht, mit Glück) in einem 200CDI (mit „Ruß – Baby – Ruß“-Knopf am Schaltknüppel) entkommen wäre?
Das glaub ich nicht, Tim.

Emotionen, die pure Sensation, der Charme, nicht zuletzt der Sound, also einfach das ganze prickelnde Drumherum jenseits von „400Nm@2000rpm/7sec 0-100kmh“,
all das gehört für mich zu einem „sportlichen“ Auto, oder einfacher, zu einem Auto das mir Freude bereitet und mich nicht nur von A nach B bringt.

Und genau das komplette Fehlen von fast all dem kann ich so vielen modernen Autos vorwerfen, aber erst recht den achso sportlichen Dieseln.

PS: Die Anfeindungen gegen Diesel Cabrios erspare ich mir an dieser Stelle. Es sei nur darauf hingewiesen dass es sie schon vor 50 Jahren gab, sogar überaschenderweise von der von mir sehr geschätzten Firma Porsche (Foto), aber auch von der mittlerweile verschwundenen Firma Eicher (Foto).
Und in beiden Fällen war die Zielgruppe froh als endlich das Coupe rauskam.

PPS: „Alltagstauglichkeit? Das rockt nicht. Wer von so etwas spricht, spricht auch von ‚Petting haben‘ statt ‚Fummeln‘.“
(gelesen in der „Youngtimer“, danke Jungs, ihr sprecht mir aus dem Herzen.)

Spass ohne Newtonmeter

Spass, ohne lustige Newtonmeter-Zahlen.

Weiße Scheiße.

Niemand weiß eigentlich wo der Hype herkam. Man könnte meinen der Staat steckt dahinter um die Reste seiner ausgelutschten Streifenwagen loszuwerden, richtig, die vor der ökonomisch sinnvollen Umstellung auf Silber. Vielleicht wollten ein paar Werbefuzzis auch nur einen Kasten Bier gewinnen: „Die Deppen da draußen kaufen auch weiße Autos, wetten? – Nee, oder?! Abgemacht!“. Genau weiß man es nicht. Aber kaum erscheinen ein paar Fotos von aseptisch sauberen neuen C-Klassen und Porsche Turbo Cabriolets in der Nicht-Farbe „weiß“ vor idyllischem Wald- und Wiesen-Hintergrund, rennen die Menschen tatsächlich in den Laden und bestellen sich massenweise Autos in dieser Un-Farbe.
„Wenn es sauber ist, sieht das halt schon sehr edel aus!“ – Ja Schatzi, in den drei Minuten nach dem Polieren, in denen der Wagen wirklich sauber ist, mag das ja der Fall sein, aber falls Dein Weg zur Arbeit nicht zufällig ausschließlich durch OP-Säle und IC-Produktionsanlagen führt, dann… aber das will leider auch keiner hören. Aber wie sagt der Amerikaner auch andererseits:
„You can’t polish a turd.“
Zwei kurze Erinnerungsstützen für alle, die es kaum erwarten können ihre „calcit-„, „ibis-“ und „carraraweißen“ Schmutzmagneten in Empfang zu nehmen:

Weiße Scheiße..

Na? Man nenne mir bitte eine (echte) Farbe, die schmutzig noch schlimmer aussieht. Die einzigen Kandidaten wären vielleicht „Leberwurst“ und „Erbrochenes“, beide Farbtöne finden sich jedoch erst ab nächstem Jahr (und nach der kommenden Werbekampagne dafür) in den Farbpaletten der Stuttgarter und Ingolstädter. Diesmal gehts dann um zwei Kästen Bier.

Lässt man das ganze jetzt noch 15 Jahre altern, erreichen wir den endgültigen Supergau:

Weiße Scheiße - 15 years later...

Aber mit den neuen Lacken und so wird das ja eh alles anders! Und weiße Autos sind ja auch ein langfristiger Trend.
Sowas ähnliches dachten auch Menschen die sich ihren Benz in den 70ern in „silberdistel“ mit olivgrünen Ledersitzen bestellt haben.

In diesem Sinne wünsche ich „Gute Besserung!“ und freue mich in 5 Jahren auf die Welle besonders günstiger Gebrauchtwagen der Premiumklasse… …Umlackieren kostet in Tschechien schließlich auch nix mehr.

VW Tuning – in einem einzigen Satz.

Heute beim Tanken habe ich folgenden Spruch eines VW-begeisterten Mitbürgers aufgeschnappt und denke, schöner kann man „VW-Tuning“ und „VW-Styling“ (und die 3000 anderen Begriffe für das zwanghafte Geld-in-ein-0815-Auto-pumpen) einfach nicht zusammenfassen:

„Den Caddy den was ich jetzt mach wird ganz anders.“

vw-tuning-individuell.jpg

Der Klügere gibt nach

Im Jahr 1995 gelang der Volkswagen AG der große Durchbruch im Bereich der motorischen Verbrennung. Durch den Einsatz eines neuen Steuergeräts und zahlreicher Tricks aus dem Rennsport wie Natrium gefüllter Ventile wurde eines der größten Probleme im Automobilbau endlich abgestellt: Abgescherte Wellen, durchdrehende Reifen und lebensbedrohlich atemberaubende Beschleunigung gehörten endlich der Vergangenheit an, denn er war geboren:

Der völlig drehmomentfreie Motor.

Damit er sich auf Grund dummer Vorurteile in der Käuferschicht trotzdem verkauft schrieb man aufs Verkaufsschild: „2.0l 16V, 150PS“. Dieses Meisterwerk deutscher Motorbaukunst erlaubt im Passat GT 2.0 16V angenehmes Cruisen bei 140kmh im fünften und höchsten Gang schon bei gehörentspannenden 4000 Umdrehungen, untermalt von einem Geräusch bestehend aus einer Mischung von „Straßenbahn auf Extasy“ und „Dumbo mit heftigen Blähungen“. Diese extrem lange, spritsparende Übersetzung schlägt sich in einem günstigen Verbrauch von 10l Super auf 100km nieder. Dass ein derartiger Bolide nur die EURO1 Abgasnorm erfüllt und auch nicht mittels Kaltlaufregler auf eine bessere Norm gebracht werden kann sei Volkswagen verziehen, es geht ja um knallharten Rennsport hier – und dass 5er BMWs aus den frühen 90ern teilweise mittlerweile mit D3 Abgasnorm durch die Gegend fahren ist sowieso nur Propaganda.
Aber was solls – einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, also versuchte ich neulich dieses Gefährt was ich liebevoll „die Rohstoffverschwendung aus Wolfsburg“ nenne auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen. Bei 220kmh laut VW-I-feel-fast-because-of-20kmh-Abweichung-Tacho blieb die Nadel stehen, nach knapp 10km Anlauf, und trotz Dumbos Blähungen hörte ich ein lautes Hämmern, hegte Hoffnung der Motor könnte von seinem unsäglichen Dasein erlöst sein und vielleicht ein neues, besseres Leben als Coladose antreten, doch nein, es war nicht der Motor…

Passat Antenne nach kurzzeitigen 220kmh

PS: Auf die Frage hin „Was ist denn das besondere an dem 2 Liter 16V Motor?“ enthüllte mir neulich ein VW-Fanatiker: „Das ist einfach einer der haltbarsten Motoren überhaupt!“
Hmm, als Vergleich fällt mir da nur ein: Wenn man auf einen Teppichboden kotzt ist das auch unglaublich haltbar und man wird den ekelhaften Geruch nie los.