Rice, Rice, Baby – das Benzindunst RiceSpecial

Danke an Burkhard für die Anregung zu diesem Special!

Tuning is a crime

Ja, die Aussage stimmt (noch) nicht ganz.

Denn leider ist optische Folter (Auslösen von Brechreiz und Hirnkrämpfen durch optische Signale) noch nicht strafbar,
ebenso wenig indirekte Körperverletzung (man bekommt selbst das Bedürfnis seinen Kopf solange gegen eine Wand zu hauen bis es endlich aufhört). Ich hoffe der Gesetzgeber tut da mal was, vielleicht sowas wie ein „Geschmackssachverständiger“ neben dem Kfz-Sachverständigen als feste Instanz und Hürde bei der Hauptuntersuchung.

Zudem gibt es da noch lokale Unterschiede in der Begrifflichkeit „Tuning“. In vielen Ländern bedeutet dies ein Auto „schneller machen“, durch Modifikationen an Fahrwerk und Motor, die Optik ist dann das Sahnehäubchen für beides.
In Deutschland bedeutet es das Ankleben von mannigfaltig sinnlosen Teilen und Blenden, bevorzugt aus einem Material was aus alten Jogurtbechern gewonnen wird. Das kernige 1.0 bis 1.6 Liter Maschinchen (Basisversion, eh klar!) unter der Haube bleibt dabei unangetastet, da den Besitzern die genaue Arbeitsweise eines Hubkolbenmotors sowieso nicht bekannt ist.

In den USA wurde hierfür der Begriff „Rice“ oder „Rice Burner“ geprägt, das englische Wikipedia erklärt folgendes:

„Ricing“ a vehicle is meant to emulate the aesthetic work of independent automotive car tuning companies who modify more than just appearance, and to give an appearance of greater ability than the car actually has.

Und im nächsten Absatz sprechen Sie mir aus der Seele – auch wenn ich es nicht so politisch korrekt ausgedrückt hätte:

Ricing is generally looked down upon amongst people who perform engine tuning, suspension tuning, and other performance racing modifications.

So, genug des Vorgeplänkels, hier eine Auswahl der nettesten Verbrechen gegen Geschmack und Logik, die mir mal vor die Linse gekommen sind, gewürzt mit einigen „Tuning“-Weisheiten und ungeschriebenen „Tuning“-Gesetzen.

Gesetz 1: „Abtrieb an der Hinterachse – wichtig beim Fronttriebler“

Spoiler - Abtrieb an der Hinterachse ist wichtig Spoiler - Abtrieb an der Hinterachse ist wichtig
Viel hilf viel! Spoiler - Abtrieb an der Hinterachse ist wichtig

Hier noch in Kombination mit dem Gesetz „Die Serienrückleuchten sind noch nicht häßlich genug“ und der Weisheit „Ich lackier das später dann alles mal komplett“ (und jeder darf jetzt einen drauf lassen dass die Karre genau in diesem Zustand in die Presse wandert)

Gerade aus dem furzbiederen 4er Golf ist optisch noch viel rauszuholen und Spoiler sind erst gut und wirksam wenn sie eigentlich die Genehmigung des Luftfahrt-Bundesamts bräuchten.

Gesetz 2: „Viel hilft viel – gerade beim Auspuff“

Auspuff - Viel hilft viel Auspuff - Viel hilft viel
Auspuff - Viel hilft viel Auspuff - Viel hilft viel

Hier noch in Kombination mit der Weisheit
„Ich mach das später (=nie) noch mal vernünftig, hab das jetzt mal auf die Schnelle gemacht“

Puh, Glück gehabt, dass man sich nicht so einen todlangweiligen endvernünftigen Golf-Kombi Diesel gekauft hat und dann zwanghaft einen auf dicke Hose machen muss. Aber der Turbo braucht die 4 Rohre auch, jetzt auch wegen Drehmoment und so.
Die Auspuffblende am Renault ermöglicht endlich auch einparken nach Geräusch (*knark* – das war der Randstein) und ist um Längen billiger als ein Ultraschallsensor.

Gesetz 3: „Anders – um jeden Preis“

Anders - um jeden Preis Rice, Rice, baby...

Schade dass Opel den „LaubDreckSchmoder&Kleinkinder-Fänger“ nicht ab Werk beim Astra angeboten hat – macht optisch doch schon viel her und wirkt keinesfalls wie eine leere Blende. Und es spricht auch nix dagegen sein Lieblingsgericht vom Chinesen auf der Haube zu verewigen, liegen Rüsselsheim und Asien doch (kulturell, konzeptionell, geographisch) so nah beeinander.

Gesetz 4: „Erfülle alle Vorurteile“

Kevin

Kevin aus Thüringen mit seinem SuperDuper-Seat.
Die Realität ist die beste Satire.

Über die Weisheiten

„Nächstes Jahr mach ich n Kompressor (Turbo, Lachgas, offenen Luftfilter, Duftbäumchen) drauf,
dann hab isch 200 (300,400) PS“

und

„Ein Kollege hat den (316i, Golf 1.6, Daihatsu Cuore, Bobby Car) aufgemacht auf 500 (600, 1000, 1 Million) PS“

lass ich mich ein ander Mal aus.

Kann „Tuning“ im deutschen Sinne überhaupt cool sein?

Oh ja! Und zwar dann wenn es so übertrieben assig und schlecht ist, dass es unmöglich ernst gemeint sein kann.
Gesehen an diesem „Style Concept Car“ vor einem Supermarkt in Südfrankreich:

Spoiler - Abtrieb an der Hinterachse ist wichtig Spoiler - Abtrieb an der Hinterachse ist wichtig

Ein Gedanke zu „Rice, Rice, Baby – das Benzindunst RiceSpecial“

  1. Dieses Schriftzeichen auf dem C-Corsa. Das wird nach Aussage eines muttersprachlichen Japaners „ki“ gelesen und ist anscheinend eines der japanischen Wörter, die man am wenigsten sinngemäß richtig übersetzen kann. Die Bedeutung entspricht dem deutschen „Geist (im sinn von Seele)“, „Lebenskraft“, „Gemüt“ oder auch „Bewusstsein“.
    Das heißt wohl für alle nicht-blinden, die das Teil zu sehen bekommen, dass durch den Anblick jegliche Lebenskraft verloren geht und man deshalb sein Bewusstsein verliert? Manche verlieren bestimmt auch einfach nur ihr ausgeglichenes Gemüt. Aber ein Geist wohnt am wenigsten dem Fahrer inne.
    Aber wie sagt es das Matthäus-Evangelium [Mt 5,3] so treffend:
    Seelig, die arm im Geiste; denn ihnen gehört das Himmelreich.

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